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Zukunft des Handwerks: IG Metall fordert von Unternehmen und Regierung verbindliches Engagement

Gewerkschaft fürchtet Verschärfung des Fachkräftemangels +++ Internationale Handwerksmesse: „Zukunftsdialog Handwerk“ von Bundesregierung, Handwerksverbänden und Gewerkschaften startet +++ Ralf Kutzner: „Brauchen bessere Infrastruktur bei Arbeits- und Bildungsbedingungen.“

Frankfurt am Main/München – Die IG Metall erwartet von Arbeitgebern und Politik mehr Einsatz für die Beschäftigten im Handwerk: „Mit der Energie- und Mobilitätswende droht der Fachkräftemangel im Handwerk noch weiter zuzunehmen. Doch viele grundsätzliche Probleme der Branche sind hausgemacht“, sagte Ralf Kutzner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall.

Auf der Internationalen Handwerksmesse in München startet am 8. März auf Initiative der IG Metall der „Zukunftsdialog Handwerk“ zwischen Bundesregierung, Handwerksverbänden und Gewerkschaften. Hierfür fordert die IG Metall ein höheres Engagement bei Aus- und Weiterbildung und gegen die Abwanderung von Beschäftigten aus der Branche.
 

Energiewende erfordert bessere Arbeitsbedingungen

„Die Beschäftigten im Handwerk unterstützen die Energie- und Verkehrswende sowie die dafür benötigte Infrastruktur und arbeiten hart für die Umsetzung. Diese gefährden aber die Unternehmen und die Politik selbst, wenn sie den Fachkräftemangel weiter verschärfen“, sagte Ralf Kutzner. Allein im Bereich der Energiewende und Gebäudesanierung fehlen der IG Metall zufolge bereits 190.000 Fachkräfte.

Ralf Kutzner: „Das Handwerk hat weniger ein Imageproblem, sondern viel mehr ein Tarifproblem. Die Tarifbindung ist historisch niedrig. Damit sind Arbeitszeiten oft überlang und das Lohngefälle insbesondere bei höher Qualifizierten hoch.“ So kehrten zwei von drei Ausgebildeten dem Handwerk den Rücken und wandern in andere Branchen ab. „Es gibt nicht zu wenige Handwerker. Es sind zu wenige, die tatsächlich im Handwerk bleiben. Die Fachkräftesicherung im Handwerk gelingt jedoch nur mit guten und tariflich abgesicherten Arbeits- und Ausbildungsbedingungen. Seit Jahren beschränkt sich die versprochene höhere Tarifbindung auf Sonntagsreden der Handwerksverbände. Zugleich muss der Staat einen fairen Wettbewerb unterstützen, indem beispielsweise öffentliche Aufträge und geförderte Sanierungsmaßnahmen nur an tarifgebundene Unternehmen vergeben werden“, sagte IG Metall-Vorstandsmitglied Kutzner.
 

Politik muss bessere Ausbildungs- und Arbeitsinfrastruktur sicherstellen

Konkret fordert die IG Metall eine echte Gleichwertigkeit zwischen akademischen und beruflichen Bildungswegen durch verbindliche Umsetzung des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR), eine bessere Ausstattung von Berufsschulen, kostengünstiges Azubi-Wohnen, Ausbau des Aufstiegs-BAföGs und kostenlosen Weiter- oder Meisterausbildungen. Mit Blick auf die Leistungsfähigkeit des Handwerks für die Energiewende fordert die IG Metall digitale Ökosysteme, womit sich etwa Energieberater, Behörden, Fördermittelgeber und das Handwerk vernetzen.

Mit Blick auf den startenden „Zukunftsdialog Handwerk“ sagte IG Metall-Vorstandsmitglied Ralf Kutzner: „Die Beschäftigten im Handwerk verdienen mehr Wertschätzung und Verbindlichkeit von Arbeitgebern und Politik.“